Cliff Richard - eine Biographie
Cliff Richard wurde am 14. Oktober 1940 in Lucknow (Indien) als Sohn englischer Eltern geboren. Sein richtiger Name war Harry Rodger Webb. (1981 ließ er seinen Namen offiziell in Cliff Richard umändern.) Die durch die Unabhängigkeitsbewegung Indiens hervorgerufenen Unruhen zwangen die Eltern im Jahre 1948, nach England zu gehen. Die bislang wohlhabende Familie lebte hier jahrelang in ärmlichen Verhältnissen, zunächst bei Verwandten, dann in einer Sozialwohnung in Cheshunt (Vorort von London).

Der Beginn der Rock'n'Roll-Zeit sollte für Cliffs Zukunft bestimmend werden. Von Anfang an war er fasziniert von dieser völlig neuen Musik, und sein großes Vorbild wurde Elvis Presley.

Während Cliff tagsüber als Bürolehrling arbeitete, widmete er seine Freizeit der Musik. 1957 schloss er sich zunächst einer Skiffle-Gruppe an. Ein paar Monate später verließen er und der Schlagzeuger Terry Smart die Dick Teague Skiffle Group jedoch wieder, um zusammen mit einem alten Schulfreund, dem Rhythmusgitarristen Norman Mitham, eine Rock 'n'Roll-Band zu gründen, die sie Drifters nannten. Wenig später schloss sich ihnen der Gitarrist Ian Samwell an. Die Drifters spielten in Gaststätten in Cheshunt und Umgebung, einmal sogar eine Woche lang in der bekannten Kaffee-Bar "Two I's" im Zentrum Londons - jedoch ohne den erhofften Erfolg.

Die entscheidende Wende brachte ein Auftritt bei einer Teenager-Show im Shepherds Bush Gaumont im Westen Londons. Hier sah und hörte sie der Konzertveranstalter George Ganjou. Der Manager der Drifters hatte ihn zu dem Besuch der Show überredet. Ganjou zeigte sich interessiert. Er gab einem befreundeten Produzenten, Norrie Paramor, eine private Schallplattenaufnahme mit den Rock 'n' Roll-Titeln "Lawdy Miss Clawdy" und "Breathless", die die Gruppe einige Zeit vorher gemacht hatte. Bald darauf durften sich die Drifters persönlich bei Paramor, dem Aufnahmeleiter der Schallplattenfirma Columbia (einer Zweigfirma des EMI-Konzerns) vorstellen. Am 9. August 1958 unterschrieb Cliff Richard einen Schallplattenvertrag.
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1958

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1977

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1972

Ende August kam Cliffs erste Single "Move It", geschrieben von Ian Samwell, heraus. Im Oktober erreichte "Move It" den 2. Platz der englischen Hitparade. Mitbestimmend für den Erfolg dieser Platte waren Cliffs Auftritte in der Fernsehshow "Oh Boy". Die wöchentlich ausgestrahlte Fernsehshow, in der neue Sänger vorgestellt wurden, war sehr beliebt bei dem jugendlichen Publikum. Der vom Rock 'n' Roll begeisterte Produzent der Serie, Jack Good, half Cliff dabei, seinen eigenen Stil zu finden.

Auf Grund des Erfolges von "Move It" wurden Cliff und die Drifters für das Vorprogramm der England-Tournee des amerikanischen Duos KalinTwins engagiert. Vor der Tournee kamen die Gitarristen Hank Marvin und Bruce Welch zu der Gruppe hinzu, und am Ende des Jahres traten Bassist Jet Harris und Schlagzeuger Tony Meehan an die Stelle der Original-Mitglieder Samwell und Smart.

Cliffs Karriere entwickelte sich in Riesenschritten. Fernseh- und Rundfunkshows, Plattenaufnahmen, Shows in London und Filmaufnahmen folgten in den nächsten Monaten rasch aufeinander. Bei seinen Tourneen und Shows kam es zu Szenen von "Cliff-Manie": Während des Konzerts ging die Musik oft im Geschrei der Fans unter, anschließend musste er aus der Halle "geschmuggelt" werden.
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1982

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1986

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1984

Den ersten Höhepunkt erreichte Cliffs Karriere im Sommer 1959 mit "Living Doll", das in kurzer Zeit zum 1. Platz der Hitparaden emporschnellte und sein erster Millionenhit wurde. "Living Doll" machte Cliff auch über die Grenzen Englands hinaus bekannt und beliebt, und er gewann damit ein breites Publikum. Cliff sang zwar auch weiterhin Rock-Titel, aber in zunehmendem Maße nahm er langsame Lieder in sein Repertoire auf. Damit folgte er einem allgemeinen Trend, die große Zeit des Rock'n'Roll war vorbei.

Mit "Living Doll" begann eine überaus erfolgreiche Zeit für Cliff. Alle Singles, die er von 1959 bis 1965 veröffentlichte, kamen unter die ersten Zehn der englischen Hitparade und waren auch in vielen anderen Ländern (Ausnahme Amerika) Spitzenreiter. Zehn Jahre lang wurde Cliff immer wieder von den Lesern der englischen Musikzeitschriften zum beliebtesten Sänger Englands gewählt. Er machte Tourneen durch England, das übrige Europa, Südafrika, Australien, die Vereinigten Staaten und Asien.
Schon im Oktober 1959 traten Cliff und die Shadows erstmalig außerhalb Englands auf - in Stockholm und Köln. Im Januar 1960 folgte eine sechswöchige USA-Tournee, bei der Cliff und die Shadows neben vielen amerikanischen Stars auftraten. Obwohl die Tournee erfolgreich war, gelang Cliff der Durchbruch in den USA nicht.

In Deutschland hingegen konnte Cliff Richard große Erfolge verzeichnen. Er hatte eine Reihe von Hits in deutscher Sprache. Die bekanntesten waren "Rote Lippen soll man küssen" und "Das ist die Frage aller Fragen". Im Jahre 1964 wurden Cliff und die Shadows bei ihrer ersten Deutschlandtournee begeistert gefeiert.

Im Filmgeschäft war Cliff ebenfalls erfolgreich. Die beiden Musikfilme "The Young Ones" und "Summer Holiday" brachen 1962 und 1963 sämtliche Kassenrekorde in England, und Cliff wurde zweimal zum beliebtesten Filmstar des Jahres gewählt. Bis 1973 spielte er die Hauptrolle in drei weiteren Musikfilmen.
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1987

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1989

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1988

Als die Beatles 1963 die Pop-Welt eroberten, tat das zunächst Cliffs Beliebtheit verhältnismäßig wenig Abbruch. Seine Konzerte waren nach wie vor ausverkauft, und seine Platten wurden weiterhin Hits. Bis 1972 veröffentlichte er 57 Singles, die alle unter die ersten 30 der englischen Hitlisten kamen. Aber der Beatboom machte eins deutlich: Cliff war nicht mehr der uneingeschränkte Spitzenstar in England, er wurde allmählich immer mehr ins Lager der etablierten Familien-Unterhalter abgedrängt. In einer Zeit der musikalischen Erneuerung veränderte sich seine Musik nur wenig. Er sang melodische, eingängige Lieder, und nur B-Seiten und einzelne LP-Titel erinnerten noch an seine Rock 'n' Roll-Vergangenheit.
Diese Entwicklung vom Rock 'n' Roll-Star zum Allround-Unterhalter ließ sich auch an den Höhepunkten seiner Karriere verfolgen: Große Musik-Shows von mehrmonatiger Laufzeit im Palladium ("Aladdin And His Wonderful Lamp" 1964 und "Cinderella" 1967), Teilnahme am Grand Prix d'Eurovision (1968 und 1973), Rollen in ernsten Schauspielen ("Five Finger Exercise" 1970 und "The Potting Shed" 1971), mehrmonatige Fernsehserien (1970, 1971 und 1972). Von 1972 an kam nicht mehr jede seiner Singles automatisch in die Hitparaden.
Bis zum Jahre 1968 war Cliffs Karriere eng mit den Shadows verbunden. Sie schrieben viele seiner Hits, begleiteten ihn auf den Tourneen, traten mit ihm in den großen Palladium-Shows auf. 1968 feierten sie ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum mit der Veröffentlichung einer gemeinsamen LP und einer zwölfwöchigen Show im Londoner Palladium. Danach trennten sich die Shadows, reformierten sich 1973 aber wieder. Cliff und die Shadows gaben auch später einige Male gemeinsame Konzerte, um ein Bühnenjubiläum zu feiern: 1978, 1984, 1989 und 2009/10.
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1993

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1998

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1995

Im Juni 1966 überraschte Cliff Richard die Öffentlichkeit mit dem Bekenntnis, er sei ein Christ. Bei einer Großveranstaltung des amerikanischen Evangelisten Billy Graham in London sprach er zum ersten Mal vor einem breiten Publikum über seinen Glauben.

Von dieser Zeit an widmete Cliff einen großen Teil seiner Zeit religiösen Aktivitäten. Vor allem in den ersten Jahren arbeitete er mit einer christlichen Jugendgruppe, wirkte bei religiösen Fernseh- und Rundfunksendungen mit und nahm an vielen christlichen Veranstaltungen teil. Er war Hauptdarsteller in zwei christlichen Filmen ("Two A Penny" 1967 und "His Land" 1970) und nahm im Laufe der Jahre mehrere Gospel-LPs auf.

Von 1969 bis 1997 unternahm Cliff regelmäßig Tourneen mit Gospelkonzerten und Gesprächsabenden, deren Einnahmen vor allem dem christlichen Hilfswerk TEAR Fund zuflossen. Mehrmals besuchte Cliff Einrichtungen des TEAR Fund in Ländern der Dritten Welt (Bangla Desh, Kenia, Haiti, Uganda). Auch gründete er einen eigenen Hilfsfonds, mit dem Projekte in Großbritannien unterstützt werden.

1976 gelang Cliff ersten Mal in seiner 18jährigen Karriere mit "Devil Woman" der Sprung unter die Top 10 in den USA. Sein Album "I'm Nearly Famous" begeisterte Fans und Fachpresse. Hier war ein "neuer" Cliff Richard mit einem frischen, unkonventionellen Stil. Cliffs neubelebtes Engagement für seine Musik spiegelte sich auch in seiner Bühnenshow wieder, bei der er mit neuen Effekten experimentierte.

1979 erklomm Cliff mit dem Titel "We Don't Talk Anymore" die internationalen Hitlisten. Seit über elf Jahren war es das erste Mal, dass er endlich wieder an der Spitze der englischen Hitparade und ebenfalls der deutschen stand. Auch in Amerika wurde "We Don't Talk Anymore" ein Top-10-Hit. Am Ende dieses 21. Jahres seiner Karriere erhielt Cliff den britischen Orden OBE.
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1999

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2005

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2001

Alan Tarney, der Komponist von "We Don't Talk Anymore", schrieb und produzierte in den nächsten zehn Jahren viele Top-10-Hits sowie erfolgreiche Alben. Seine Arbeit fand 1987 mit der LP "Always Guaranteed" und der Single-Auskopplung "Some People" ihren Höhepunkt. Für die LP erhielt Cliff eine Platin-Schallplatte. Im Zuge dieser Erfolge unternahm Cliff seine längste Europa-Tournee, bei der er 39 Städte in zwölf Ländernbesuchte.
Aus Cliffs großem Hobby Tennis entstand bereits 1983 eine Veranstaltung, die zu einer Tradition wurde: Kurz vor Weihnachten fand bis 2005 alljährlich ein lustiges Tennisturnier mit bekannten britischen Spielern und mit Prominenten statt. Der Erlös ging an den "Cliff Richard Tennis Trail", mit dem junge britische Tennistalente gefördert werden.

1986 erfüllte sich für Cliff ein Wunsch, den er seit Jahren gehegt hatte: Er übernahm die Hauptrolle in einem Bühnenmusical im Londoner Westend. Ein Jahr lang (von April 1986 bis April 1987) stand er in dem von Dave Clark produzierten Musical "TIME" auf der Bühne - zunächst achtmal, dann siebenmal pro Woche!

Die nächsten zehn Jahre brachten Cliff weiterhin viele Erfolge in Großbritannien. 1988 erreichten die Weihnachtssingle "Mistletoe and Wine" und die Sammel-LP "Private Collection" gleichzeitig den ersten Platz der Charts. Im Jahr darauf gab Cliff die beiden größten Konzerte seiner Karriere, "The Event", als er zweimal im Londoner Wembley Stadionvor jeweils 72 000 Zuschauern auftrat. Im Herbst und Winter 1990/91 stellte er Rekorde auf, indem er 14 Konzerte im NEC in Birmingham und 18 in der Wembley Arena in London vor insgesamt rund 350 000 Zuschauern gab. Auf Europa-Tourneen ging Cliff 1990, 1993, 1999 und 2002.
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2006

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2013

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2009

1995 wurde Cliff als erster Popstar von Königin Elizabeth II zum Ritter ernannt in Anerkennung seiner Dienste für wohltätige Zwecke. Er trägt jetzt den Titel Sir Cliff.

1996/97 erfüllte Cliff sich einen alten Traum, er spielte sieben Monate lang die Hauptrolle in dem Musical "Heathcliff" nach dem bekannten englischen Roman "Sturmhöhen" von Emily Brontë. Die Musik dafür schrieb John Farrar (der mehrere Lieder für den Film "Grease" komponiert hatte), die Texte Tim Rice, bekannt als Textautor der Musicals "Jesus Christ Superstar", "Evita" und des Disney-Films "Aladin". Das Video "Heathcliff" blieb fast ein Jahr lang in den Video-Charts!

Zu seinem 40-jährigen Jubiläum gab Cliff insgesamt 32 Konzerte in der renommierten Royal Albert Hall in London.

Ende 1999 sorgte er für Schlagzeilen, als seine Single "Millennium Prayer" den ersten Platz der britischen Charts erreichte, obwohl viele Rundfunksender es ablehnten, das vertonte Vaterunser zu spielen. Nach zehn ausverkauften Konzerten in Birmingham zum Jahrtausendwechsel gönnte Cliff sich ein freies Jahr mit mehreren Reisen. Viele Wochen verbrachte er auch in seinem Haus in Portugal, in dem er mit dem Anbau von Wein begonnen hatte. Im Jahre 2002 kam sein Rotwein Vida Nova auf den Markt.

In den darauf folgenden Jahren gab Cliff wieder unermüdlich Konzerte: 2001 waren es 12 Konzerte in der Royal Albert Hall, 2002 / 03 gab er bei seiner Welt-Tournee 54 Konzerte in Großbritannien und dem übrigen Europa sowie in Australien und Ostasien, 2004 wieder einmal Konzerte in der Royal Albert Hall und acht Open-Air-Konzerte auf dem Gelände von englischen Schlössern. Hier stellte er viele Titel seines in Nashville aufgenommen Albums „Something’s Goin’ On“ vor. (In Deutschland erschien diese CD mit dem Titel „For Life“.) Das Album begeisterte viele Kritiker, Cliff selber bezeichnete es als sein bestes Album seit zwanzig Jahren.

Im 45. Jahr seiner Karriere, 2003, wurden ihm zwei besondere Ehrungen zuteil: Von der Universität Middlesex erhielt er die
Ehrendoktorwürde und in Albufeira in Portugal, seinem geliebten Ferienland, wurde eine Straße nach ihm benannt.

Mit 65 Jahren ging Cliff nicht in den Ruhestand, legte jedoch zwischendurch längere Pausen ein.

2006 / 07 machte er schließlich (nach einem ruhigeren Jahr) wieder eine Welt-Tournee, diesmal mit 41 Konzerten in 18 Ländern.

Auch nach mehr als 48 Jahren im Showgeschäft machen die Konzerte, die Schallplattenaufnahmen und nicht zuletzt die vielen Interviews deutlich, dass Cliff sich immer noch für seine Arbeit begeistert und voller Ehrgeiz ist. Er will nicht stehenbleiben, sondern für Einflüsse offen sein und weiterhin gute und vielseitige Pop / Rockmusik machen.

Barbara Barmwater, Oktober 2013
Kontakt
Horst Schröder
E-Mail: ObscureMyEmail

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